Spätestens seit Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ ist der sogenannte Neue Feminismus der Renner auf allen Kanälen. Aber Achtung: hierbei geht es nicht um den eigentlichen Neuen Feminismus der Frauenbewegung aus den 70er Jahren. Von diesem alten neuen Feminismus wollen sich die Protagonist_innen des neuen Neuen Feminismus deutlich abgrenzen. Und das, weil dieser nämlich so gar nicht pop ist. Da wären wir auch schon beim zweiten Stichwort in der aktuellen Diskussion um Frauen, Gleichberechtigung und High-Heels: Der Popfeminismus.
Eigentlich ist die ganze Story ja nicht neu. Feministinnen sind humorlos, lustfeindlich und hassen Männer. Da möchte man sich natürlich nicht einreihen, weil die zeitgenössische Frau sich eben lieber als erfolgreich und sexy präsentieren will.
Sie kommt allerdings auch nicht drum herum festzustellen, dass es für die gleiche Arbeit weniger Kohle gibt oder sie ständig zurückstecken muss, damit der Freund von den gemeinsamen Kindern nicht zu sehr belästigt wird. Also was tun? Die Antwort ist der Neue Feminismus, in dem Frauen Pornos großartig finden, bessere Jobs und bitte schön auch gut dabei aussehen wollen. Obwohl man Roches Helen ja noch zugestehen muss, dass sie dem schönen Schein der weiblicher Sexualität einiges an power-authentischer Körperlichkeit entgegenzusetzen hat, ist die hypersexualisierte Darstellung einer 18-Jährigen im Kern auch nur eine nach dem Empowerment-prinzip gestrickte Aufforderung an Frauen, sich doch einfach mal zu nehmen auf was man Lust hat. Für alles andere, zum Beispiel die Frage, warum das nicht immer so einfach ist, müsste es dann schon mehr sein, als der individualisierte Blick auf Sexualität. Dass auch die Autorinnen von „Wir Alphamädchen“ (bekommt man übrigens im günstigen Paket mit „Feuchtgebiete“ bei Amazon) Gesellschaftsanalyse noch nicht mal buchstabieren können, muss wohl nicht weiter diskutiert werden, dass jedoch auch Tara Hill im Leitartikel der Jungle World den männerausschließenden „Mief der Altfeministinnen“ beklagt und wirklich jedes Klischee über diese zu bemühen vermag, ist dann doch überraschend. Aber offensichtlich schafft es selbst eine kritische Wochenzeitung, wenn es um Feminismus geht, in das gleiche Horn wie das bürgerlichen Feuilletons zu blasen, denn, so weiß Hill: „Emma spricht die urbane Karrierefrau, die nachts im Club feiert einfach nicht mehr an“. Natürlich.
Nein, Pop sollte es heute schon sein. Das weiß auch die Linke, obgleich Sonja Eismann treffend fesstellt, dass „gerade der Feminismus (…) durch seine omipräsente Stigmatisierung als unsexy das letzte große Kassengift im Kapitalismus ist“. Spaß muss sein – und wenn Abtreibung, Armut oder gar sexuelle Gewalt keinen Spaß machen, muss man diese Themen eben aussparen, weil sie in dem Bild der coolen Pop-Feministin dann doch keinen Platz haben. So generiert der gesellschaftskritische Feminismus zum neoliberalen ich-will-alles/ich-kann-alles Postulat weißer Mittelschichtsfrauen. Sarah Diel erklärt sich diese Wandlung damit, dass dies eben die „schmerzlosere Variante“ feministischer Politik ist, weil sie sich eher auf die eigene Stärke konzentriert, als die ganze große Scheiße anzuprangern, was halt immer etwas opfer-mäßig kommt …und Opfer ist nun mal nicht cool.
Fairerweise muss man natürlich zugeben, dass eine medial-kompatible Verpackung feministischer Inhalte überhaupt erstmal die Chance birgt, gesamtgesellschaftlich verhandelt zu werden. Jedoch ist die Frage berechtigt, ob die aktuelle Debatte nicht eher der Emanzipation schadet, weil jede Solidarisierung mit feministischen Kämpfen zugunsten eines sexy-toughen Frauenbildes hinter sich gelassen und alles was dort keinen Platz hat als überholt und altfeministisch abgetan wird.



